Das kollegiale Beratungsteam
Was ist das Kollegiale Beratungsteam? – Die Grundidee
Das Kollegiale Beratungsteam der Theodor-Heuss-Schule baut auf dieser Grundidee auf:
Die THS hat das Kollegiale Beratungsteam als festen Baustein ihres Qualitätsmanagements etabliert.
Seit 2012 existiert dieses Team — heute besteht es aus 9 engagierten Lehrkräften:
Gonca Aydin, Yunus Demir, Christiane Enders, Stefan Falcione (Koordinator), Esengül Fidanverdi, Ralf Hege, Isabell Kahlert, Markus Kunze und Rojda Öztürk-Kirmizitas (Koordinatorin)
Initiatoren waren zwei erfahrene Kollegen, und ihre Idee war: Lehrenden Unterstützung zu geben, wenn sie im Alltag auf Schwierigkeiten stoßen — nicht durch externe Coaches, sondern durch Kolleginnen und Kollegen, die selbst wissen, wie Schule funktioniert.
Warum gibt es das Team?
Das Team ist auch deshalb entstanden, da die kollegiale Hospitation in Dreierteams von einer sehr gro-ßen Mehrheit des Kollegiums als nicht hilfreich für die persönliche unterrichtsbezogene Qualitätsent-wicklung empfunden wird. Im Gegensatz zur postulierten Annahme aus der Theorie zum Kollegialen Feedback, dass Lehrkräfte die “Experten“ seien, um den Unterricht einer Kollegin/eines Kollegen „feed-backen“ zu können, wurde und wird diese Meinung von einer großen Mehrheit der Lehrkräfte nicht geteilt. Diese Auffassung wird von einer großen Mehrheit eher als Euphemismus gedeutet bzw. als punktuelle Weiterführung des Daseins als Lehrer im Vorbereitungsdienst abgelehnt. Diese dort ge-sammelten Erfahrungen scheinen primär negativ besetzt zu sein, was ein Grund dafür sein könnte, dass die Möglichkeit der Unterrichtshospitation an der THS nicht genutzt wurde. Insgesamt ist das In-strument auch formal „sperrig“, da die sich im Unterricht zu besuchenden Teams in den Stundenplan zu integrieren wären, was wiederum dazu führen würde, dass regulärer Unterricht ausfallen oder die Unterrichtsbesuche in den Nachmittag verlegt werden müssten, da mindestens drei Lehrkräfte an dem Verfahren beteiligt wären. Das müsste von den betroffenen Lehrkräften „on top“ außerhalb ihrer Unter-richtsverpflichtungen geleistet werden. An dieser Situation konnten auch zahlreiche interne und externe Fortbildungen nichts ändern. Dreierteams, die nach unseren internen Fortbildungen entstanden, lösten sich schnell wieder auf. Mit dieser Erfahrung ist unsere Schule allerdings nicht alleine. Der Nutzen des Verfahrens ist nicht vermittelbar, da der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag steht.
Kollegiales Feedback wird an der THS dennoch auf verschiedenen Ebenen umgesetzt. Wir wollen mög-lichst alle Lehrkräfte über die verschiedenen Formate im Sinne des PUQE-Modells dazu anzuregen, den kollegialen Austausch als Möglichkeit der persönlichen Professionalisierung zu nutzen.
Guter Unterricht entsteht dort, wo Lehrkräfte sich nicht allein durch Herausforderungen arbeiten müssen, sondern Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Im Schulalltag stehen Lehrkräfte immer wieder vor Situationen, in denen eine zweite Perspektive hilf-reich ist – sei es bei schwierigen Klassendynamiken, neuen Unterrichtsmethoden oder Fragen zur Kommunikation. Genau hier setzt das Kollegiale Beratungsteam an.
Worum geht es in der Beratung?
Im Mittelpunkt steht der moderierte Erfahrungsaustausch (ERFA):
Eine Lehrkraft schildert eine konkrete Situation, und das Team hilft durch gezielte Fragen, Beobachtun-gen und Ideen, neue Perspektiven zu gewinnen. Das ist keine Bewertung, sondern ein geschützter Raum des gemeinsamen Nachdenkens.
Wie funktioniert das Kollegiale Beratungsteam?
Wenn eine Lehrkraft (der sogenannte „Fallgeber“/die „Fallgeberin“) Hilfe braucht — etwa wegen her-ausfordernder Unterrichtssituationen oder persönlicher Unsicherheiten — kann sie das Kollegiale Bera-tungsteam darum bitten, sie zu begleiten. In regelmäßigen Treffen bespricht das Team gemeinsam sol-che Fälle.
Im Beratungsprozess übernimmt jede Person eine bestimmte Rolle: Es gibt einen Moderator oder eine Moderatorin, Beobachterinnen und Beobachter, beratende Kolleginnen und Kollegen und eine Zeit-wächterin bzw. einen Zeitwächter. Der Fallgeber legt fest, worum es geht — etwa ein konkretes Problem oder eine Fragestellung. Gemeinsam reflektiert das Team, bringt Erfahrungen und Ideen ein, und ent-wickelt mögliche Lösungswege. Dabei geht es nicht darum, fertige Rezepte vorzugeben, sondern darum, dass die Lehrkraft selbst mit Unterstützung eine passende Lösung findet.
THS_Ablaufplan_kollegiale_Fallberatung
Teil der Unterstützung kann auch eine Hospitation sein: Kolleginnen/Kollegen können den Unterricht der Fallgeberin/des Fallgebers besuchen und später Feedback geben — immer nach vorher vereinbar-ten Beobachtungskriterien und unter Wahrung von Diskretion und Vertraulichkeit. Auch diese Hospita-tionen sind freiwillig und erfolgen nur auf Wunsch der betroffenen Lehrkraft.
Das Team arbeitet nach dem Prinzip: „Offenheit nach innen, Vertraulichkeit nach außen“ — das heißt: Im Beratungskreis darf offen und ehrlich über Probleme gesprochen werden, nach außen bleibt alles vertraulich.
Das Ziel dieses Vorgehens ist nicht nur kurzfristige Hilfe, sondern vor allem professionelle Entwicklung und nachhaltige Verbesserung der Unterrichtsqualität — durch kollegiale Reflexion, gegenseitige Unter-stützung und gemeinsames Lernen. Das Kollegiale Beratungsteam soll helfen, Belastungen und Konflik-te frühzeitig zu bewältigen und gleichzeitig den Lehrkräften einen strukturierten Raum bieten, um sich weiterzuentwickeln.
Die Theodor-Heuss-Schule hat sich bewusst entschieden, Kollegiale Beratung und Feedback metho-disch und strukturiert ins schulische Qualitätsmanagement zu integrieren — nicht als sporadisches An-gebot, sondern als festen Bestandteil einer Kultur der Qualitätsentwicklung und kollegialen Weiterent-wicklung.
Das Vorgehen entspricht damit bewährten Standards der Kollegialen Fallberatung und nutzt mit dem PUQE-Modell zusätzlich einen schulweiten Rahmen, der strukturiertes Feedback und Reflexion mit langfristiger Qualitätsentwicklung verbindet. Das macht das Vorgehen transparent, planbar und nach-haltig.

Vorteile und Ziele des Kollegialen Beratungsteams
Das Kollegiale Beratungsteam der Theodor-Heuss-Schule verfolgt das Ziel, Lehrkräften einen geschütz-ten Raum für professionellen Austausch, Reflexion und Weiterentwicklung zu bieten.
Durch den gemeinsamen Blick auf konkrete Fälle entstehen neue Perspektiven und kreative Hand-lungsmöglichkeiten, die im schulischen Alltag tragfähig und realistisch sind. Gleichzeitig stärkt dieser Prozess die Selbstverantwortung der Lehrkräfte: Sie entwickeln eigene Lösungen, statt vorgefertigte Antworten zu erhalten. Das Kollegiale Beratungsteam fördert so eine Kultur der Offenheit und des ge-genseitigen Lernens, in der niemand mit Problemen allein bleibt.
Als fest verankerter Bestandteil des Qualitätsmanagements trägt das Team dazu bei, Unterricht kontinuierlich weiterzuentwickeln, Belastungen frühzeitig aufzufangen und die professionelle Handlungssicherheit zu stärken. Es schafft ein Klima, in dem Kollegialität nicht nur ein Wort ist, sondern aktiv gelebt wird – zum Vorteil der Lehrkräfte, der Schulgemeinschaft und letztlich auch der Schülerinnen und Schüler.
Rojda Öztürk-Kirmizitas und Stefan Falcione sind die Koordinatoren und Ansprechpartner des Kollegialen Beratungsteams.